Der verborgene Schatz im Gewölbe des Heimatmuseums Schinznach-Dorf
Das lauwarme Flachmeer, das sich vor 165 Millionen Jahren hier in der Gegend befand, hat sie uns zurückgelassen, all die Seegeschöpfe. Oder zumindest die fossilisierten und perfekt erhaltenen Skelette von Seelilien, Seesternen, Seegurken, Seeigel und Schlangensterne, die man im Heimatmuseum Schinznach-Dorf besichtigen kann.
Alle fünf gehören zum Stamm der Stachelhäuter, auch deren moderne Vertreter pieksen bekanntlich beachtlich – so mancher Ferienheimkehrer wird sich ein diesbezügliches Souvenir aus dem Meer mitgebracht haben. Gerade der Seeigel hat, und hat- te auch damals, wunderbare Stacheln, die einzeln einem Gelenkköpflein aufsitzen und mittels feinster Muskelfasern in alle Richtungen bewegt werden können. Die Fortbewegung findet allerdings sozusagen zwischen den Stacheln statt. Durch feinste Löchlein im Skelett stülpen sich hydraulisch hunderte häutige Füsschen, die sich abwechslungsweise am Untergrund festsaugen und so den Seeigel oder auch den Seestern oder die Seegurke vorwärtsbewegen. Diese Füsschen sind nicht mehr erhalten und selten sind es die Stacheln. Aber auch für das eigentliche Skelett braucht es die besonderen Umstände, wie sie in der Gegend des Schinznacher Heistersteinbruchs eingetreten sind. Ganze Gesellschaften aller fünf Stachelhäuterklassen wurden offensichtlich sanft vom Lehm zugedeckt und all die kalkigen Einzelplättchen fossilisierten und wurden so konserviert, dass die Form des ganzen Tiers erhalten blieb. Tiere sind sie nämlich alle, trotz der irreführenden Namensgebung – und der eigentümlichen, blumenähnlichen, fünfstrahligen Radialsymmetrie im Skelettaufbau. Entsprechend ornamental und geheimnisvoll wirken die Ausstellungsgegenstände im Gewölbekeller des Museums – auf der ganzen Welt ruht sonst nirgendwo der Ausgrabungsschatz der Fossilien aller fünf Stachelhäuterklassen, so wohlerhalten und aus einer einzigen Ausgrabungsstätte. Einige Arten wurden überhaupt erst hier entdeckt – doch alle sind sie unterdessen abgelöst worden durch neue, wenn auch ähnliche Formen.
Diese Ausstellung gehört, wie auch diejenige zum Rebbau und zu «Licht und Wärme», zum Grundstock des kleinen Museums, begleitet werden sie von Wechselausstellungen. Diese Saison ist die Spezialausstellung dem 150-Jahre Jubiläum der Apotheke Schinznach-Dorf gewidmet mit einer Fülle von Apothekerutensilien und Reminiszenzen aus früheren Apothekertagen. Offen ist das Heimatmuseum Schinznach-Dorf jeweils am ersten Sonntag im Monat. Das nächste Mal also am kommenden Sonntag 5. August 2012, 14 bis 17 Uhr.
