Dorothee Rothenbach

Zum Finale gibts Glühwein

Heimatmuseum: Herzerwärmender  Saisonschluss am Sonntag, 5. November 2023, 14 – 17 Uhr

Dieses Jahr meinte es gut mit den Reben – und auch mit dem Heimatmuseum: An jedem Museums-Sonntag haben zwei Weingüter aus dem Schenkenbergertal nicht nur ihren Betrieb vorgestellt, sondern auch die Besucher seine köstlichen Produkte degustieren lassen. 

Dabei unterstützten sie das Heimatmuseum: mit einem Bhaltis in Form eines Zweierlis. Dank sei also nochmals rückblickend der Weinbaugenossenschaft Schinznach,  den ck-Weinen, Adrians WeingutWeinbau Peter Zimmermann, Chalmberger Weinbau, dem Bächlihof, der Mosti Furer, Kohler Weine & Destillate und dem Hof Kasteln.

Unterdessen sind die Äpfel gereift, und die Kinder haben das Mosten im sonnenbeschienenen Museumshof bereits an die Hand genommen. Nach dem Wetterwechsel  locken nun auch die Museumsinnenräume mit ihren Ausstellungen und Filmen zum Rebbau und mit der Weinetikettensammlung aus dem Tal. 

Terroir-typische Tropfen –  mit fossilem Background

Die fossilen Stachelhäuter im Kellergewölbe wiederum repräsentieren aufs Eindrücklichste den Untergrund, auf dem die Reben so gut gedeihen: auf den dicken Kalkschichten, die vom Meer über Jahrmillionen abgelagert wurden und schon dazumal von Seesternen, Seeigeln und weiteren Verwandten bevölkert wurden. 

Ist es nicht enorm faszinierend, dass diese Stachelhäuterklassen nun nach 165 Mio. Jahren zu jenem Kalkgehalt  im Boden beitragen, der in der grössten Weinbaugemeinde des Kantons für ihre terroir-typischen Tropfen sorgt?

Geschichtete Geschichte

Auch die Saison im Heimatmuseum Schinznach erblüht nächstens wieder mit Vehemenz. Am Sonntag, 5. Mai, ab 14:00 präsentieren sich die Fossilien aus den Gesteinsschichten vom hiesigen Steinbruch Heister ganz neu : alle fünf Stachelhäuterklassen sind diesmal auch noch in ihrer ursprünglichen Gestalt und Farbe und im passenden Umfeld samt den entsprechenden Fortbewegungsweisen dargestellt.

Die Geschichte der Heisterfossilien geht 165 Millionen Jahre zurück. Sie schwammen allesamt im damaligen lauwarmen Meerwasser – sowie sie es anderorts heute in moderner Form noch gerne tun. Beispiele ähnlicher Exemplare (Seeigel, Seesterne Schlangensterne, Haarsterne und Seegurken) führen uns ihre Lebensweise auf etlichen Bildschirmen vor Augen und lassen sich darum wissenschaftlich zwanglos mit den früheren Formen vergleichen – und hauchen unserer Vorstellungskraft Leben ein.

Weitere Ausgrabungsarbeiten führen in die nähere Umgebung – direkt ins Museumsdepot nebenan – mit Schätzen, die uns Gebräuche und die entsprechenden Lebensbereiche in Schinznach näher bringen, nicht gerade über Jahrmillionen aber doch über Jahrhunderte, ebenfalls in erstaunlichen Variationen – die eine oder andere harrt vielleicht noch in einem Privathaushalt auf ihren Auftritt im Heimatmuseum? Bereits bevölkern allerhand Behältnisse wie Flaschen mit ungewohnten Hälsen, Flaschen mit Lokomotiven, Badener Spanschachteln aber auch Hobel mit Mondrianmustern die Räume – darüber schweben kostbare Emailschilder, die doch einige Rätsel aufgeben. Mehr wird folgen und die Freude an Form und Farbe pflegen und über den Sommer zu erhalten wissen – kuratiert von Emil Hartmann.

Zwischendurch verbindet das Schwyzerörgeli-Quartett Schenkenberg (Peter Oberson, Urs Tschan, Thomas Lüscher, Roland Bläuer) die Besucher immer wieder frohgemut mit der Gegenwart.

Astrid und Asterix 

Astrid und Asterix am Sonntag, 2. Juni im Heimatmuseum Schinznach 14.00 bis 17:00 unterstützt von Andreas Kofler und Albin Peterhans.

An jedem Museums-Sonntag soll sich diese Saison nebst den speziellen Attraktionen auch ein Vertreter von einer der fünf Stachelhäuterklassen präsentieren dürfen, die sonst fossilisiert im Museumsgewölbe ihr Dasein fristet: die Seestern/in eröffnet den Reigen.

Nennen wir sie Astrid – oder doch lieber Asterix? Sie kann so oder so, ist Alleskönnerin und sowieso ein Wundertier bestehend aus einem fünfteiligen Kopf, dessen Abschnitte sternförmig angeordnet sind. Rumpfanlagen fehlen, dafür sind die Körperteile einzeln regenerierbar oder ersetzen gar das ganze Tier – Tier! Das metaphysische Gruseln stellt sich ein – An der Gestalt hat sich über die letzten 500 Millionen Jahren nicht viel geändert, so dass wir sie in den Filmen im Museum sofort erkennen und auch ihre Fortbewegungsart analysieren können.

Andreas Kofler hat sich durch seinen Beruf in den damaligen Lebensraum versetzt und uns diesen bereits in einem höchst verständlichem Artikel in der Nachlese 17 geschildert und wird dies wieder tun.

Albin Peterhans ist der seelenverwandte Nachbar vom Museum und ist flugs der Bitte nach Besonderem nachgekommen: so ergänzen diese Saison auch seine Serien von Mondrian-Hobeln samt -Truhe nebst weiteren oft recht skurrile Kompositionen von externen Ausstellern und aus dem Museumsdepot selbst die permanente Sammlung im Haupthaus.
Für die musikalische Unterhaltung sorgt ebenfalls Albin Peterhans samt Sohn Cyril und Andi Wildi mit seinem Jurasüdfuess-Quintett und den beliebtesten Mundartliedern.

Ein vergnügter und lehrreicher Sonntag bahnt sich an.

Rollende Zeitzeugen

Endlich dürfen sie wieder rollen, – die ganz grossen  und die ganz kleinen, die Hürlimänner und die Seeigel im Heimatmuseum Schinznach am Sonntag 7. Juli von 14:00 bis 17:00.

Bei traditionsgemäss bestem Wetter erwartet auch diesen Sonntag eine wahrhaft breitgefächerte Palette an Ausstellungsgegenständen die Zuschauer. Einerseits werden Vintage-Landmaschinen ihre Kreise ziehen, der schwere Motor wird brummen, die Bratwurst wird duften.

Dann verbreitet ausgerechnet das Kellergewölbe Vorferienstimmung mit der Schilderung des 165 Millionen alten Heistermeers und seinen versteinerten Bewohnern, die nun nicht nur ausgestellt sind, sondern sich auch über moderne Medien lebend präsentieren. Es sind dies alle fünf Stachelhäuterklassen – also die Seesterne, Seeigel und ihre Verwandten und somit nicht gerade die Strandlieblinge, doch Dorothee Rothenbach wird sie liebevoll einzuordnen wissen.

Das Heimatmuseum funktioniert also sowohl mit Ewigkeitsanspruch aber auch auf temporärer Basis und beherbergt gerne Interessantes auch auf Zeit aus der nahen oder fernen Vergangenheit für ein paar Stunden oder für die Sommersaison, einzeln oder als Serie, Ererbtes oder Eingebrachtes (076 489 48 47, info@heimatmuseum-schinznach.ch), Ernsthaftes oder Kurliges.

Wo Solexe und Schlangensterne wieder aufleben

Der Augustevent im Heimatmuseum ist buchstäblich von Radiärsymmetrie getrieben: mit den runden Stachelhäuterfossilien im Gebäudeinnern und diesmal dem Solexclub im Vordergrund und dazwischen so manche Kuriosität. Tranksamen unterstützen die Aufmerksamkeit am Sonntag, 4. August von 14:00 bis 17:00.

Die riesigen Traktoren vom letzten Museumssonntag ruhen wieder in ihren Garagen, nun sind die eleganten Solexe dran: Kurt Wagner und seine Crew bilden ein verschworenes Team, das alles über ihre Gefährte weiss, sie gerne präsentiert und bei den Besuchern so manche Kindheitserinnerung weckt.

Bei den Stachelhäuterfossilien zeigt diesmal der Schlangenstern seine Spezialitäten. Mit seinen Verwandten teilt er das Prinzip der Radiärsymmetrie, allerdings sind seine fünf Arme sehr beweglich

und fixieren den menschlichen Blick durch die entstehenden Muster – beinahe wie die Schlangen auf dem Kopf der Gorgone. 

Dadurch blind werden die Besucher des Heimatmuseums jedoch keineswegs. Viel gibt es zu sehen und zu hören: Der Solexclub tummelt sich unterdessen auf dem grossen Platz zwischen Museum und Depot. Die Türe zum Museumsdepot im Dach des ehemaligen Feuerwehrmagazins steht den ganz Gwundrigen offen: ca. 4000 Gegenstände aus allen Lebensbereichen warten auf ihren Auftritt in den Museumsräumen – drei davon sind besetzt mit der Dauerausstellung über den Rebbau und der Sonderausstellung von Lieblingsstücken aus dem Publikum.

Und drei weitere sind eben gerade fest in den jeweils fünf Armen der Stachelhäuter. Die fünf Formen davon sind repräsentiert in ihrer versteinerten Gestalt, dann in einem grossen Lebendbild und zusätzlich, anhand ihrer modernen Nachkommen, lebendig in aktuellen Videos. Eigentlich gehörten sie ja alle ins Salzwasser des Meeres – so manche Sommerfrischler werden jetzt den Schlangensternen, Seesternen, Seeigeln, Haarsternen und Seegurken im Meer ‘live’ begegnen. 

Als fossilisierte Exemplare haben die Schinznacher sie vom Heistersteinbruch herabgetragen und hüten nun den 165 Millionen Jahre alten Schatz in den Gewölbekellern des Museums.

Seegurken – die häufigsten Tiere der Welt sind die unbekanntesten

Am 1. September werden sie im Schinznacher Heimatmuseum von 14:00 bis 17:00 zu sehen sein und ihr Fundort Heister preisgegeben.

Diese riesige Biomasse der Seegurkenpopulationen braucht ja eigentlich ein Meer und das hat sich vor 165 Millionen Jahren auch in der Region von Schinznach befunden und uns viele Zeugen hinterlassen in Form fantastischer Fossilien. Im Museum gibt es nun die wunderschönen Stachelhäuter zu bewundern, die Seeigel, Seesterne, Schlangensterne, Haarsterne – und eben das Aschenbrödel Seegurke. Sie ist nicht so hübsch, ihre wirtschaftliche Bedeutung aber enorm. Besonders beliebt ist sie in China und den Philippinen, getrocknet und gescheibelt, unter dem Namen Trepang als Suppeneinlage.

Für etwas leibliches Wohl wäre auch im Museum gesorgt mit Kuchen und Kaffee und am Ziel einer kleinen Wanderung (oder einem Fährtchen) zum Fundort Heister, dem alten Steinbruch am Fusse des Grundes. Dort wartet ein Gläschen der Produkte aus den Rebbergen, die wir durchwandert haben. Dieser kleine Ausflug findet also sozusagen doppelbödig statt und unter kundiger Führung: Andi Kofler, Projektleiter bei Jura-Cement , wird uns den Untergrund, der alte Meerboden und heute die Lebensgrundlage der Reben näher bringen, Emil Hartmann, der Winzermeister, die Pflanzweise und Sorten dieser Gewächse.

Der Museums-Spycher aber hält unterdessen weiterhin seine vier Türen offen und damit den Zugang zu definierten Objekten in vielfältiger Ausführung (Serien) und eben auch zu Lieblingsstücken aus dem Publikum.

Die Lilien auf dem Felde

Es gibt sie auch im Heimatmuseum Schinznach zu bewundern: am Museums-Sonntag, 6. Oktober, 14 – 17

Es sind nun mal die schönsten, ob als Pflanzen auf dem Felde oder als Tiere auf dem Meeresboden – oder als Fossilien im Museum. Als letzte der fünf vorgestellten Stachelhäuterklassen kommen sie sozusagen im Doppel vor: festsitzend, lilienförmig mit langem Stiel oder beinahe stillos als Federsterne, oft frei herumschwimmend. Dann gehören sie zu den unterhaltsamsten Beobachtungsobjekten unter Wasser: Sie rollen als Ball durch die Strömung, galoppieren nach Bedarf oder nutzen ihre zwanzig Arme für ein symmetrisches Ballett. Ihre Farbpalette ist auch nicht zu überbieten – eben konnte man Millionen Jahre alte Farbpigmente der Seelilien analysieren. Es sind noch die gleichen wie heute. Wir dürfen also in unserer Ausstellung die modernen Stachelhäuter mit ihren Vorfahren direkt vergleichen, ohne auf wissenschaftliche Abwege zu geraten.

Zurück in die Gegenwart werden uns die sachten Töne von der Drehorgel von Peter Leistner führen, und ein Schluck Most versöhnt uns mit der Jahreszeit. Die handbetriebene Mostpresse muss jedes Jahr gesäubert und gebadet werden und gibt uns damit schon einen ersten Eindruck von den Anforderungen eines stromlosen Lebens – dem Thema der nächsten Museumssaison. Nach dem Sonntag 3. November nämlich beginnt die Winterruhe für das kleine Museum, und die Stachelhäuter-Spezialsaison ist abgeschlossen.

Seelilien als schönes Finale

(A. R.) – «Lilien sind nun mal die schönsten, ob als Pflanzen auf dem Feld, als Tiere auf dem Meeresboden oder als Fossilien im Museum«, schmunzelt Dorothee Rothenbach. Und freut sich auf das schöne Finale vom Sonntag, wenn sie ihre spezielle Inszenierung der Stachelhäuter-Sammlung zum letzten Mal präsentiert.

Mit der Vorstellung der anmutigen Seelilien geht am Sonntag das Wirken von Dorothee Rothenbach als Museums-Leiterin nach 22 Jahren zu Ende. Unter ihrer Ägide genoss das kleine Museum durchaus auch mal grosse nationale Ausstrahlung, wie etwa die vielbeachtete Reportage der Migros-Zeitung im 2006 zeigte.

Vor 165 Millionen Jahren, als die Jurafaltung noch ferne Zukunftsmusik war, schwammen in Schinznach Seesterne, Seelilien & Co. in einem lauwarmen Meer und seit 25 Jahren werden diese weltweit einzigartigen fossilen Stachelhäuter im Heimatmueum attraktiv präsentiert.

Dazu hat Dorothee Rothenbach heuer bekanntlich eine jubiläumswürdige Zusatz-Ausstellung geschaffen: Alle fünf heutigen Stachelhäuterklassen werden auf verschiedenen Bildern und Bildschirmen in ihrer ursprünglichen Gestalt und Farbe, im passenden Umfeld und samt den entsprechenden Fortbewegungsweisen dargestellt. So lassen sich die früheren Formen problemlos mit den heutigen vergleichen.

Und die letzte Stachelhäuterklasse ist nun eben jene der Seelilien. «Sie gehören zu den unterhaltsamsten Beobachtungsobjekten unter Wasser: Sie rollen als Ball durch die Strömung, galoppieren nach Bedarf oder nutzen ihre 20 Arme für ein symmetrisches Ballett», schwärmt die studierte Zoologin. Die Farbpalette sei ebenfalls nicht zu überbieten, ergänzt Dorothee Rothenbach, soeben habe man Millionen Jahre alte Pigmente der Seelilien analysieren können.